Citizen Kane Kollektiv: Stuttgart Wrackstadt

STUTTGART WRACKSTADT

Theaterperformance des Citizen.KANE.Kollektivs

(Link: https://citizenkane.de/PERFORMANCES/STUTTGART-WRACKSTADT)

„Es ist kein Naturgesetz, dass Daimler ewig besteht.“ erklärte Anfang 2019 der damalige Vorstandsvorsitzende der Daimler AG Dieter Zetsche. Stuttgarts Stern erlischt. Wir schauen dem Dinosaurier Automobilindustrie beim Sterben zu. Vor der Stadt, die sich an der Spitze der wirtschaftlichen Entwicklung sieht, tut sich ein Abgrund auf – und in diesem Abgrund zeigt sich eine düstere Zukunft. Stuttgart wandelt sich zu einer Stadt des Stillstands und der Angst. Menschen ziehen weg oder leben in Armut, die Infrastruktur zerfällt, Häuser und Fabriken stehen leer, Tiere und Natur erobern sich die Stadt zurück. Stuttgart wird endlich wirklich grün.

Eine Grundlage der Beschreibung Stuttgarts als Wrackstadt ist die Beschreibung des zerstörten Modells von Wolfgang Frey, wie es im Zwischengeschoss der Stadtbahn-Haltestelle Schwabstraße vorgefunden werden kann: „Das Licht scheint neonfarben, wirft diffuse Schatten. Spinnennetze spannen sich über die Wälder. Staub liegt auf den Straßen, wie kalte Asche. Kein Wind, der sie aufwirbeln könnte. Ein Auto liegt auf dem Dach im Park, ein paar Menschen liegen daneben. Straßen sind aufgerissen. Blanke Drähte ragen aus der Erde, es fließt kein Strom mehr. Ein Reh und ein Wildschwein stehen in der Fußgängerzone. Styropor bricht durch, eine Packeislandschaft, Stadtteile ragen wie Eisberge schräg heraus. Parks nach einem schweren Sturm. Schneisen umgeknickter Bäume. Grünes Chaos. Ganze Stadtviertel stehen Kopf, wie an eine Wand gelehnt. Löcher im Boden wie klaffende Wunden. Ein Dinosaurier steht vor einem Museum. Freie Parkplätze überall. Hinter ein paar Häusern hört die Welt auf, eine scharf gezogene Kante, ein Absatz ins Nichts.“

STUTTGART WRACKSTADT klingt wie ein Punksong. Mein Beruf, mein Haus, mein Auto, mein Geld: verloren! Unser Identifikationspotential, unsere Statussymbole: weg! Wir waren so satt und haben nur über zukünftige Verbrennung nachgedacht. Gewohnheit, Machtanspruch und Eigeninteresse haben uns zerstört. Wie könnte diese Stadt aussehen, wenn der Megakonzern sie nicht mehr im Innersten zusammen hält?

Premiere am 10. Juli 2019. Vorstellungen: 11. / 12. / 13. / 14. Juli 2019 im FITZ! Theater animierter Formen (Eberhardstraße 61 70173 Stuttgart)

Weitere Vorstellungen im April 2020.

Fotos: Alex Wunsch