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Video #7: Hannes Rockenbauch / Andreas Mayer-Brennenstuhl

Hannes Rockenbauch im Gespräch mit Andreas Mayer-Brennenstuhl

Die Reflexion urbaner Prozesse ist ein zentrales Thema bei SOUP (Stuttgarter Observatorium Urbaner Phänomene). In diesem Video geht es speziell um die Frage wie partizipative Beteiligungsprozesse bei der Stadtentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung aussehen könnten. Ausgangspunkt des Gesprächs zwischen Andreas Mayer-Brennenstuhl und dem Stuttgarter Gemeinderat (SÖS/Linke) und Stadtplaner Hannes Rockenbauch ist ein Modell des legendären „OPS-ROOMS“, der ersten „digitalen Schaltzentrale des kybernetischen Sozialismus“, die am 11. Sept. 1973 im Bombenhagel der Militärdiktatur in Chile unterging. Hannes Rockenbauch hatte 2011 beim SOUP-Projekt „UNSER PAVILLON“ im besetzten Stuttgarter Schlossgarten ein Tool vorgestellt, mit dem mehr Bürgerbeteiligung ermöglicht werden könnte, daran knüpft der aktuelle Dialog an und öffnet den Raum hin zu Überlegungen, welche Entwicklungen seither zu beobachten sind in Bezug auf das Anliegen einer Demokratisierung städtebaulicher Planungen.

Video #6: Frieder Nake – Weltpremiere der Computerkunst

Frieder Nake: Weltpremiere der Computerkunst

Dass Stuttgart 1965 der Ort war, an dem die weltweit erste Ausstellung von Computerkunst mit den Arbeiten von Georg Nees stattfand, ist nur wenigen bekannt. Max Benses „Studiengalerie“ im achten Stock des damals noch VW-Hahn-Hochhaus genannten Gebäudes in der Friedrichstraße 10, in dem diese Werke gezeigt wurden, war Teil seines Instituts für Philosophie und Wissenschaftstheorie, das Bense selbst als Kampfstand gegen jede Form des Irrationalismus verstand. Der Mathematiker und Informatiker Frieder Nake, damals dabei und selbst ein Pionier der Computerkunst, erinnert sich an diese damals höchst umstrittene Ausstellung. Ausgehend von dem Modell des Hochhauses auf der Anlage von Wolfgang Frey führt der Weg zurück in das originale, von Rolf Gutbrod entworfene und zwischen 1962 und 1964 errichtete Gebäude, in dessen achtem Stock sich heute die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart befindet, und endet schließlich in unserem Projektraum, dem Fotostudio von Jens Lyncker. Dort reflektiert Frieder Nake seine Erinnerungen in Form eines Vortrags unter vorwiegend modelltheoretischen Aspekten. Zum Schluss unterhält er sich mit Alexander Sowa über den aktuellen Stand der algorithmischen Kunst, eine Bezeichnung, die Nake dem Begriff Computerkunst vorzieht.

Video #5: Frey über die Schulter geschaut, Teil 2


Frey über die Schulter geschaut 2


In TAPE 2 (1998) kommentiert Frey seinen Nachbau der Stuttgarter Gleislandschaft auf ähnlich sparsame und nüchterne Weise wie schon in TAPE 1 das Original. Die über der riesigen Anlage herumirrende Kamera fungiert wie ein Staubsauger, der mal hierhin, mal dorthin gelenkt wird, ohne dabei ein System erkennen zu lassen. Der zweite Teil des Videobandes zeigt seltsamerweise eine Augenoperation, die wir jedoch nicht zugänglich machen wollen.

Video #4: Background_2 – Jens Lyncker & Peter Schmidt

Der Spielautomat als Stadterkundungsmaschine

Jens Lyncker und Peter Schmidt sprechen mit Alexander Sowa über den Blick des Modellbauers auf die Stadt. Der Fotograf und der Automatenbauer besuchten die Orte, die Wolfgang Frey zwischen 1980 und 2010 fotografierte und in seiner Modelleisenbahn im Maßstab 1:160 nachbaute. Circa 500 Fotos des Freyschen Modells und 500 Fotos derselben Örtlichkeiten, wie sie sich heute darstellen, stehen sich nun im Spielautomaten gegenüber. Darüber hinaus geben Visualisierungen der geplanten Wirklichkeit Einblick in die Zukunft der Stadt. Der besondere Blick des Modellbauers, der gleichzeitig von großer Abstraktionsfähigkeit und exzessiver Detailverliebtheit geprägt ist, kann Auskunft über vierzig Jahre des ständigen Wandels der Stadt geben. Welche Lebenswirklichkeiten von welchen Personengruppen mit welchen Interessen manifestieren sich im gebauten Stadtbild?

Video #3: Frey über die Schulter geschaut, Teil 1

FREY ÜBER DIE SCHULTER GESCHAUT

In Wolfgang Freys ehemaligem Hobbybunker sind wir vor zwei Jahren in einem Raum direkt unter der Rolltreppe auf eine Menge verstaubter VHS-Kassetten gestoßen. Die meisten davon dienten offenbar der bloßen Unterhaltung, so etwa eine größere Sammlung der legendären Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille Orion“. Drei dieser Kassetten erwiesen sich jedoch als für unser Projekt besonders wertvoll. Es handelt sich dabei um private Aufnahmen aus den Jahren 1996 und 1998. Im ersten Video ist Frey bei der Arbeit an seinem Modell zu sehen. In den beiden anderen führt er selbst die Kamera, so dass wir zu Zeugen werden, wie akribisch er sich die Wirklichkeit angeeignet hat, mit deren Nachbau er zeitlebens beschäftigt war, und wie dieser Nachbau mehr und mehr zu seiner primären Wirklichkeit wurde.

Wir zeigen zunächst Tape 1: „Ruine mit Turm“ (1998). Zu sehen sind in diesem von Wolfgang Frey selbst gedrehten und kommentierten Video die Reste des ehemaligen Güterbahnhofs sowie ein Rundblick vom Bahnhofsturm über Gleisgelände und Innenstadt. Zum Schluss sieht man aus der Perspektive einer Überwachungskamera das Foyer in der Schwabstraße. Mit einem gewaltigen Nieser scheint sich der Bewohner dieses staubigen Schattenreichs an uns, die Nachwelt, zu adressieren.
Die zwei anderen Tapes folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Video #2: Background_1-Michael Gompf

Was treibt Superman in seiner „Festung der Einsamkeit“

Mit dem Video Numero 2 startet Alexander Sowa seine Interviewreihe „Background“. Mit Michael Gompf spricht er über Modelle und Aspekte ihrer Funktion, von der Täuschung bis zur Theorie. Modelle und somit auch Modellwelten/Weltmodelle eint ihr Zweck, die Komplexität von Wirklichkeit so weit zu reduzieren, dass sie zu verstehen und zu planen ist. „Nie wieder wird die Zukunft so gut aussehen wie mit den Bauten des Brasilianers“- Mit diesem denkwürdigen Satz kommentierte die Schriftstellerin Carmen Stephan einmal Oscar Niemeyers weltberühmte Brasilia-Architekturen und spricht damit indirekt auch das allen Architekturmodellen innewohnende Potenzial zur Täuschung an. Modelle dienen nicht nur der Erkenntnis, sondern auch der Verführung. Dieser Doppelcharakter ist ihnen immanent. Im Interview spannt Michael Gompf den Bogen von der Comicfigur Superman, die sich nach ihren Abenteuern in ihre „Festung der Einsamkeit“ zurückzieht und beim Betrachten der Miniaturstadt Kandor über ihre Identität sinniert, hin zu Constants Modellen von „New Babylon“, die keine Utopie formulieren, sondern eine Reflexion über die Möglichkeiten zukünftiger gesellschaftlicher Strukturen anregen wollten.

Video #1: Joe Bauer über K.R.H. Sonderborg

Der Kolumnist und Stadtflaneur Joe Bauer berichtet im ehemaligen Stellwerk von Wolfgang Frey über den verschwundenen Nachlass des lange Zeit in Stuttgart tätig gewesenen Künstlers K R H Sonderborg. Dieser hatte es mit seiner Informel-Malerei nicht nur zu internationalem Ruhm gebracht, sondern als Professor an der hiesigen Kunstakademie (1965 – 1990) auch einen großen Einfluss auf mindestens zwei Generationen angehender KünstlerInnen ausgeübt – und sei es auch nur durch den Glanz seiner Abwesenheit. Eine spannende Geschichte, die nochmal ein neues Licht wirft auf die Frage, was genau Stuttgart dem Rest der Welt zu bieten hat.

Modellwelten / Weltmodelle Stuttgart

AK2 INSIDE OUT
MODELLWELTEN / WELTMODELLE Stuttgart

Ein Schaufensterdiorama mit Videos und Objekten von
Begleitbüro SOUP (Stuttgarter Observatorium urbaner Phänomene)
und weiteren am Projekt beteiligten KünstlerInnen

Ausstellung (von außen einsehbar) 30.4. – 30.5.2021
Aktives Schaufenster täglich 17 – 21 Uhr

Galerie AK2
Lorenzstaffel 8
70182 Stuttgart

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Sylvia Winkler: Stelltafelplan(e)

Digital nachbearbeitete Bleistiftzeichnung auf Grundlage von Wolfgang Freys Plan der Stelltafel des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Freys technische Zeichnung wird zum Träger seines eigenen Narrativs: Passagen aus seinen Artikeln in der MIBA (Zeitschrift für Miniaturbahnen) 2003 und 2005 sind anstelle und in der gleichen Farbe wie die in der Stelltafel markierten Zugstraßen gesetzt. Die Beschreibungen des Beginns seiner Modellbautätigkeit, des Einzugs in den Schwabstraßen-Keller sowie von Details seiner Bastelarbeit verdichten sich zu einem Resümee seiner ‚Lebensaufgabe‘.

Die Zeichnung wird in der Originalgröße der Stelltafel ausgedruckt und im Stellwerksnachbau im Frey-Keller an deren Stelle präsentiert.

Print auf PVC-Plane: 820×170 cm

Karin Sander: Zwischengeschoss C2 / Raumvolumen / 5.3.2020

3D- Inkjet Prints
Material: Polymergips
in Zusammenarbeit mit Adam Kyrik, ETH Zürich

Die aus einem Scan sämtlicher Schwabstraßen-Räumlichkeiten hervorgegangenen 3D-Prints zeigen den konkreten Ort, an dem Freys Modellwelt entstanden ist, in Form von vier massiven Blöcken aus Polymergips. Vom eigentlichen Inhalt der Räume ist nur das zu sehen, was der Scanner an deren Rändern erfasst hat. Sämtliche anderen visuellen Informationen über die in den Räumen befindlichen Objekte bleiben im Gipsbett eingeschlossen und könnten nur durch dessen Zerstörung freigelegt werden. Insofern bilden diese hybriden Bildkörper das Modell einer vollkommenen Konservierung, wie sie sonst nur bei Versteinerungen vorkommt, und gleichzeitig liefern sie uns an ihren Grenzflächen die Illusion, von innen beleuchtet zu sein. (HW)

Barbara Karsch-Chaïeb: Anwender

Anwender* ist der Titel für die Arbeit der Künstlerin Barbara Karsch-Chaïeb. Das Wort hat sich auf einem Aufkleber auf einer Floppy-Disc aus dem Nachlass von Wolfgang Frey gefunden. Das Werk besteht aus mehreren Teilen. Für die Floppies** wurde eigens ein Holzkasten gebaut, um sie (für eine weitere Ewigkeit?) aufzubewahren. Ähnlich einem Karteikasten in Archiven. Dieser Kasten ist einsehbar und kann sowohl aufgestellt wie an die Wand gehängt werden. Die Disketten sind aus einer anderen Zeit, sie beherbergen Informationen und Spiele, die nur zum Teil noch gelesen werden können, niemand weiß, ob die Beschriftungen mit dem Inhalt der Disketten übereinstimmen. Sie sind teilweise in schöner Handschrift oder grob aufgekritzelt. Genau diese handschriftlichen Notate haben die Künstlerin angesprochen, erinnern sie doch an kleine Zeichnungen, Spuren und Abdrücke, die absichtlich, oder auch zufällig (aus Unachtsamkeit) entstanden sind. Diese Spuren sind letztendlich wirkliche Hinterlassenschaften von Wolfgang Frey (auf Speichermedien, die heute nicht mehr verwendet werden können). Sie zeigen ebenfalls, welche Rolle die Zeit in seiner Arbeit gespielt hat. Viel zu kurz war sie, um die Informationen auf den Disketten oder nur einen Bruchteil davon zu nutzen. Nie ausreichend, um sein Lebenswerk, ein Modell, fertig zu stellen, denn die ständige Umwandlung des Stadtraumes ließ und lässt dies gar nicht zu.


Anwender, 2020
Kasten mit Disketten (171 Stück), 53 x 16 x 15 cm
Plexiglas mit Aufschrift Anwender.
Plakat, Größe flexibel druckbar
Projektion der Disketten per Beamer an eine Wandfläche


Das Plakat zeigt diese gesammelten Fundstücke in vergrößerten Ausschnitten. Variabel kann es in den Größen DIN A3 oder DIN A2 ausgedruckt und gehängt oder – in größeren Auflagen gedruckt – mitgenommen werden.


*Ein Anwender ist jemand, der etwas (besonders ein Programm) anwendet, verwendet. Heute wird eher von User oder Userin gesprochen (aus dem Duden)

**Das englische Wort Floppy wird im Deutschen als Abkürzung von floppy disk drive (kurz: FDD) für das Diskettenlaufwerk verwendet. Manchmal auch, wie im Englischen üblich, als Kurzform für floppy disk (kurz: FD), also die Diskette (wikipedia).

Andreas Mayer-Brennenstuhl: Vorschein-Modelle

VORSCHEIN-MODELLE (DOMNICK-BUNKER meets FREY-BUNKER) 2003/2019

Das von Andreas Mayer-Brennenstuhl gefertigte Modell des Gebäudes der „Sammlung Domnick“ (erbaut 1967 von Paul Stohrer) wurde mit einer Audio-Installation bestückt, auf der die Stimme des Kunstsammlers und Filme-Machers Domnick in sehr pathetischem Ton über die Rolle der „Modernen Kunst“ in der Nachkriegszeit spricht. (Text-Auszüge aus verschiedenen Filmen von Ottomar Domnick) Er bezieht sich dabei auf die seinerzeit aktuelle Idee der Avantgarde-Funktion der Kunst, d.h. der Kunst als „Vorscheinmodell“ einer besseren Zukunft.

In der „Villa Domnick“ in Nürtingen wurde 2016 der Film „Dolores“ gedreht (Regie: Michael Rösel), darin wird ein interessanter Gedanke verfolgt: Der Hauptprotagonist Georg ist Modellbauer und bekommt von der Besitzerin der Villa den Auftrag, das Haus so perfekt wie möglich als Modell nachzubauen. Georg, der sich in seine Auftraggeberin verliebt hat, stellt zufällig fest, dass er die physische Realität in der Villa mittels seines Modells manipulieren kann. Gegenstände, die er in seinem Modell verschiebt, verschieben sich auch in der Wirklichkeit., der Nachbau der Wirklichkeit wird so zu einem „Vorscheinmodell“.

Dieser Gedanke, dass Modelle nicht nur als „Nachbild“ der Realität zu sehen sind sondern eben auch – im Sinne des Avantgarde-Kunst-Verständnisses – als Vorschein-Modelle betrachtet werden können, bringt einen interessanten Aspekt in die Beschäftigung mit dem Modell des Stuttgarter Hauptbahnhofes von Wolfgang Frey: Was wäre, wenn das Modell kein Nachbau ist – also einen vergangenen Zustand abbildet – sondern ein Vorschein-Modell, das die Zukunft des Stuttgarter Hauptbahnhofes abbildet? Wäre es dann vielleicht möglich, dass das Projekt S21, d.h. der neue unterirdische Bahnhof mit allen seinen urbanen Begleiterscheinungen – urplötzlich von der Bildfläche verschwindet und der Zustand vor 2010 wieder erscheint? Könnte sich so der Traum vom „OBEN BLEIBEN“ vielleicht doch noch realsieren?

Zumindest einen Versuch ist es Wert.

Das Wolfgang-Frey-Projekt

Kunst ohne Publikum

Von 1992  bis zu seinem Tod baute der Eisenbahnangestellte Wolfgang Frey (1960 – 2012) mitten in Stuttgart, in dem 450 Quadratmeter großen Zwischengeschoss C2 (tief) der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße, an einer einzigartigen, andernorts bereits 1978 begonnenen Modelleisenbahnlage, die aufgrund ihrer Detailliertheit inzwischen Berühmtheit erlangt hat, obwohl nur wenige Eingeweihte die Anlage je im Original gesehen hatten. Die Anlage wurde vom Gleisfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs aus entwickelt und reichte zum Schluss bis nach Bad Cannstatt und zum Westbahnhof. Um diese riesige Anlage steuern zu können, hatte Wolfgang Frey im Vorraum zudem noch in mühevoller Kleinarbeit eine exakte 1:1 – Replik seines Arbeitsplatzes im Stuttgarter Hauptstellwerk erstellt, mit sämtlichen elektronischen Steuerkonsolen und der riesigen Schalttafel. Fast drei Jahrzehnte lang pendelte er tagtäglich zwischen Arbeitsplatz und „Hobbybunker“ hin und her, bis er sich schließlich fast nur noch in dieser unterirdischen Enklave aufhielt und kaum mehr in der Außenwelt auftauchte.

1978. Drei erfolgreich gescheiterte Lebenswerke.

Wolfgang Frey begann sein Lebenswerk im Jahr 1978. Ungefähr zur selben Zeit starteten in derselben Stadt völlig unabhängig voneinander zwei andere Projekte, die in vielfacher Weise mit dem von Frey verwandt sind.
Zum 40jährigen Jubiläum der Galerie Oberwelt (2018) hat Harry Walter versucht, diese Zusammenhänge in einem Vortrag kenntlich zu machen.

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