Scheinanlagen

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Militärische Scheinanlagen als Ausprägung der künstlerischen Rauminstallation

Versuch einer künstlerisch-historischen Einordnung Norbert Prothmann, September 2019 Üblicherweise werden militärische Scheinanlagen zu den Maßnahmen der Tarnung und Täuschung gezählt, deren Geschichte man bis in die Antike zurückverfolgen kann. Der Schriftsteller und Publizist Xavier Boissel setzt sie in eine Tradition mit dem Trojanischen Pferd, von dem freilich bis heute nicht belegt ist, ob und in welcher Form es je existierte, ober ob es einfach eine Erfindung Homers war, eine Metapher für eine Kriegslist, zu der sich die mündliche Überlieferung verselbständigt […]

Die Scheinanlage „Brasilien“

Zwischen 1940 und Anfang 1943 wurde unter der Tarnbezeichnung „Brasilien“ nordwestlich von Lauffen am Neckar von der deutschen Luftwaffe eine so genannte „Scheinanlage“ betrieben, deren einziger Zweck es war, für Stuttgart gehalten und entsprechend nachhaltig bombardiert zu werden. Zentrales Objekt der Anlage war eine aus Holz gefertigte Attrappe des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Zahlreiche nach oben abgeblendete elektrische Lampen im Umfeld täuschten eine beleuchtete Gleisanlage vor. Die umliegenden Straßen waren durch Strohmatten markiert und künstliche Lichtblitze sollten den Eindruck fahrender Straßenbahnen hervorrufen. […]